SCHIBIG BILDHAUER   CH-6422 Steinen Switzerland

HOLZSCHNITZER, HOLZBILDHAUER, VERGOLDER, RESTAURATOR

WOOD-CARVING, SCULPTURE IN WOOD, GILDING, RESTORATION

sculptor-Rundschreiben 8

01.07.07  Nach wie vor kannst du Dich selber oder Freunde als Gratis-Abonnenten anmelden (oder abmelden): sende Deine E-Mail-Adresse an schibig@sculptor.ch .

Viel Vergnügen wünscht

Bildhauer Josef Schibig

Rosinen aus den VSHB-NACHRICHTEN

Vom Berufsverband Oberländischer Holzschnitzerei kam im April 1968 ein Brief mit dem Wunsch, mit dem VSHB „in engere Kontakte zu treten“. Nun ja, dabei blieb es dann auch; wir sind im Jahre 2007, nächstes Jahr hat der VSHB ein grosses Jubiläum und der Kontaktwunsch der Brienzer wird auch bald 40-jährig: „Gut Ding will Weile haben . . .“

In Nr. 49 der NACHRICHTEN vom Mai 1972 konnte der Redaktor berichten, dass VSHB-Vorstandsmitglied Josef Nauer Freienbach mit dem Kulturpreis des Kantons Schwyz ausgezeichnet wurde.

Makabrer Humor in der gleichen Nummer: „Weißt Du, warum sich die Ärzte bei Operationen immer ein Tuch über Mund und Nase binden? - Erraten!: damit sie nicht immer das Messer abschlecken.“

Weiter wurde eine Reise ausgeschrieben: Die Innung Südbaden-Württemberg, mit welcher der VSHB schon eine ganze Reihe von Reisen und Anlässen durchgeführt hatte (Paris, Wien, Höri am Bodensee, Mainau, Weinfelden, Zürich-Adliswil, Reichenau, Lübeck usw.) lud diesmal ein nach Breisach im französischen Grenzgebiet, mit Weinkellerei-Besichtigung (geschnitzte Fässer), für September 1972.

Das Bücherverzeichnis umfasste 30 Titel (etwa 50 Bände plus etliche Zeitschriften). Die Bücher wurden von Karl Ebnöther in Zürich betreut und an Interessenten per Post versandt, gegen Fr. 1.- für Porto und Verpackung.

Redaktor Dort berichtete auch über die Lehrabschlussprüfung von Franz Ledergerber, im April 72. Franz hatte seine Lehre bei Schibig in Steinen gemacht. Experten waren Städeli Zürich und Dort Adliswil; sie beschrieben die Leistungen in der praktischen Arbeit als brillant, mit ausserordentlichem Fleiss und Tüchtigkeit. Die Gesamtnote wurde etwas gedrückt auf 5,2 durch das Ergebnis in „Stil- und Heraldik-Kenntnissen“.

Es waren folgende Aufgaben gestellt: Aufzeichnen eines Ornamentes  nach Modell - Anlegen dieses Ornamentes - Sauberschneiden - Entwerfen und Schnitzen eines Schriftzuges - Anlegen und Sauberschneiden einer frei gewählten Arbeit (Zeichnung, Foto oder Modell waren mitzubringen) - Modellieren eines kleinen Ornamentes. Dazu Fragen über allgemeine Berufskenntnisse: Werkzeug richten - Materialkunde - Abgiessverfahren - Technische Regeln - Heraldik und Stilkunde - Finissage und Zurichten.

 

Unten das Porträt von Miss Gail Marshal aus Boston, die hier in den Ferien war und sich bei uns (durch Lehrling Frz. Ledergerber) abkonterfeien liess; dies war nicht Teil der Prüfung. Weiter die zwei von Franz an der Prüfung geschnitzten Ornamente. Ganz unten eine Probe der Architektur-Animationen.

JS Juli 2007: Franz Ledergerber übernahm 1973 für einige Jahre die Werkstatt von Hermann Ziegler in Luzern. Er bildete sich weiter im Instrumentenbau, der später den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in Bühl bei Aarberg bildete. Dort entwickelte sich das Kettensägen von grossen Berner-Bären zu einem weiteren Renner. Leider wurde Franz vor zwei Jahren von einem schweren Schicksalsschlag getroffen: eines Morgens konnte er sich ganz plötzlich nicht mehr bewegen; vom Hals an abwärts war er gänzlich gelähmt. Die eigentliche Ursache wurde nie gefunden; Therapie im Paraplegiezentrum und der eiserne Wille von Franz brachten ihn so weit, dass er sich wenigstens wieder im Rollstuhl aufhalten und die Arme - sehr eingeschränkt - bewegen kann. Er macht jetzt für ein Architekturbüro am PC 3D-Animationen von Bauprojekten (hier ein Beispiel davon).

Wie schrieb doch Prüfungsexperte Werner Dort anno 1972: „Wir wünschen dem strebsamen und tüchtigen jungen Holzbildhauer viel viel Glück für die Zukunft, denn er hat uns sein Können auf das Beste bewiesen“. So sei es weiterhin!

Franz würde sich sicher freuen über Lebenszeichen von alten und jungen Kollegen:

Frz. Ledergerber, Dorfstr. 12, 3274 Bühl bei Aarberg, f.ledergerber@bluewin.ch

Episoden aus dem Schnitzlerleben

 

(Fortsetzung von Rundschreiben 7)

So ging auch die lehrreiche Zeit in Italien schnell vorbei. Ab Mitte September 1951, nach knapp zwei Jahren, arbeitete JS wieder einige Zeit beim Lehrmeister Reichmuth in Schwyz.

           Schon damals waren Arbeitsplätze in der Holzbildhauerei sehr rar, obwohl diese Zeit in der Erinnerung von uns älteren Semestern eher vergoldet erscheint. Es gab jedoch mit Möbeln, religiösen Figuren, Grabmalen usw. stets genügend Aufträge. Finanziell wurde unsere Arbeit allerdings auch damals keineswegs vergoldet, rangierten doch nach einer Statistik die Holzbildhauer fast am Schluss des Einkommens: nach uns kamen nur noch die Flickschuster. Die letzteren sind wohl unterdessen ganz aus dem Erwerbsleben verschwunden, und die Holzbildhauer mindestens als statistisch erfassbarer Zweig . . .

           Es ging schon damals darum, herauszufinden, was ein Holzbildhauer überhaupt herstellen oder bearbeiten konnte, um damit der menschlichen Gesellschaft einen Dienst zu erweisen und damit seine Brötchen, möglichst mit einer Spur Butter, zu erwerben; oder anders und etwas geschwollen ausgedrückt, „die gesellschaftliche Relevanz“ festzustellen. Das war - und ist - sowohl für den Selbständigen wie für den Angestellten eine unerlässliche Absicherung des eigenen Standpunktes. Sagte es der Titan Atlas, welcher den Himmel auf den Schultern trägt, er brauche nur einen festen Punkt, um die Welt aus den Angeln zu heben?

           Damit kam ich auf eine Liste von möglichen Arbeiten und verband diese mit der Überlegung, welche davon ich bei Bedarf liefern könnte - und es war ziemlich überlebenswichtig, dass man sich bei allen denkbaren Arbeiten einigermassen bewährte.

           Die Zeiten waren definitiv vorbei, wo in Brienz sich ein Mann im Telefonbuch als „Schwalbenschnitzler“ bezeichnete und anscheinend davon leben konnte (es ging um die kleinen Vögelein, welche auf hölzernen Souvenir-Pfeifchen montiert wurden). Und weil wir schon beim Bramarbasieren sind, gleich ein weiteres Beispiel, das mir von Meister Anton Reichmuth erzählt wurde: Auf einer Reise nach Oberammergau geriet er in eine kleine Schnitzwerkstatt, an deren einer Wand Christuskorpusse hoch aufgeschichtet wie Brennholz lagerten. Staunend und bewundernd sprach Reichmuth den Schnitzer an, was er doch für grosse Aufträge habe! Dieser wehrte aber ab, seine Spezialität sei

Etwa 1952, zur Zeit meines zweiten Aufenthaltes bei Reichmuth in Schwyz könnte es gewesen sein, dass ich diese lebensgrosse Figurengruppe schnitzte, für die Kirche St. Joseph des Fins in Annecy Frankreich. Der Pfarrer kam eigens selber nach Schwyz und machte die Stellungen des Josef und des Christusknaben, auch Handbewegung und Blickrichtung,  genau vor. Daraufhin durfte ich ein notdürftiges Modell aus Lehm, die Zeichnung 1 : 1, den Holzzuschnitt und die Schnitzarbeit ganz selbständig ausführen.

Später  folgten noch weitere Arbeiten für die gleiche Kirche; sicher werde ich noch darauf zurückkommen, etwa inbezug auf kabarettreife Verwicklungen mit dem französischen Zoll . . .

 

Auch die fast lebensgrosse „gotische“ Madonna (vermutlich für die Stadtkirche Winterthur) stammt aus dieser Zeit; aus dem Handgelenk neu entworfen und geschnitzt.  Die Verwandtschaft der beiden Christusbuben ist für mich noch deutlich sichtbar.

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Hier gehts zurück  -  und hier geht’s weiter im Text:

einzig, den Gesichtern „den schmerzhaften Zuch“ zu verleihen. Nun, bei der heutigen Globalisierung würde man die Korpusse bei derart grossem Bedarf und entsprechender Spezialisierung wohl eher nach Fernost fliegen.

 

Hier also so eine Liste von - damals - möglichen Aufgaben eines Holzbildhauers:

Abstrakte Skulptur, Akt, Altar, Ambo, Anatomische Studien, Architekturmodell, Auszeichnung, Bauernmöbel, Bauplastik, Beichtstuhl, Bilderrahmen, Bronzeplastik, Bronzestatuen, Brosche, Brotteller, Brunnen, Brüstung, Chorgestühl, Christusbild, Denkmal, Dose, Druckstock, Engel, Fassmalerei, Figuren, Freie Kunst, Friedhofkunst, Garderobe, Gartenskulptur, Geweihschild, Grabmal, Grabzeichen, Gussmodell, Heiligenfigur, Heraldik, Holzbildhauer, Holzgrabmal, Holzschnitt, Inschriften, Kanzel, Kapitell, Kerbschnitt, Kerzenständer, Kirchenarbeiten, Kirchenkunst, Kommunionkreuze, Konsole, Kreuz, Kreuzweg, Krippe, Krippe, Krippenfiguren, Kruzifix, Kuchenmodel, Kunst, Leuchter, Madonna, Muttergottes, Masken, Massivmöbel, Medaillon, Möbel, Möbelteile, Möbelschnitzerei, Modell, Notenständer, Orgelschnitzerei, Ornamente, Pietà, Plastik, Porträt, Profane, Figur, Profile nachschneiden, Profilleisten, Puppenteile, Putto, Reklametafel, Restaurierung, Schachfiguren, Schatulle, Schaufenster-Étalagen, Schleiergitter, Schmuckkästchen, Schnitzerei, Schriften, Sockel, Souvenir, Spazierstock, Spiegelrahmen, Spielsachen, Sportpreis, Stabelle, Statuen, Stilmöbel, Tabernakel, Taufstein, Tier, Treppenpfosten, Truhe, Uhren, Vereinspreis, Vergolden, Wandleuchter, Wandrelief, Wappen, Weihnachts-Figuren, Weihnachtskrippen, Weihwassergefäss, Werbeskulptur, Werbung, Wurzelschnitzerei.

           Bei der ganzen Liste kam damals das heute praktisch einzig verbliebene Betätigungsfeld „Freie Kunst“ kaum oder eher ganz am Rande vor. Heute hat sich dies, wohl mehr der Not gehorchend als dem eigenen Triebe, ziemlich umgekehrt!

           Dahingegen haben wir doch im Laufe der Jahre dann so ziemlich alles entworfen und geschnitzt, was auf der Liste zu finden ist und manches mehr. Auch für den heutigen jungen Bildhauer dürfte es nicht uninteressant sein, für sich selber eine derartige Liste zu erstellen. Wenn allerdings - was nach Auskunft eines Berufsschulleiters wirklich vorkommt - das Berufs- und Lebensziel eines jungen Menschen als „Rentner“ angepeilt wird, herrschen wiederum ganz andere Prioritäten.